{"id":148,"date":"2024-10-16T22:20:10","date_gmt":"2024-10-16T20:20:10","guid":{"rendered":"https:\/\/mille1000.de\/?page_id=148"},"modified":"2024-10-26T10:34:30","modified_gmt":"2024-10-26T08:34:30","slug":"148-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mille1000.de\/index.php\/home\/cillarim\/148-2\/","title":{"rendered":"Texte Cillarim Sancho Pansa"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-container-core-group-is-layout-650790e1 wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-x-large-font-size\"><strong>Die Emanzipation<\/strong><br><strong>des\u00a0Sancho\u00a0Pansa<\/strong><\/h1>\n\n\n\n<div style=\"height:16px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:clamp(0.875rem, 0.875rem + ((1vw - 0.2rem) * 0.708), 1.3rem);\">Fotografie auf eigenen Wegen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" style=\"margin-top:var(--wp--preset--spacing--20);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--20)\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-small-font-size\">F\u00fcr den Katalog zur Ausstellung Schach und Poesie, 2016<br>der Schach- und Kulturstiftung G.H.S.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Um Spiel, Ausstattung und Spieler des Schach kreist ein Kosmos, den die Fotografie bisher zuverl\u00e4ssig bebildert: Bretter und Figuren \u2013 alt, modern, artifiziell oder schlicht, Kunsthandwerk oder fast schon Kunst. Spieler (seltenst: Spielerinnen) \u2013 gr\u00fcbelnd am Brett, im Gespr\u00e4ch, einsam, zweisam, kongressgruppiert. Kunstwerke, Schach in vielen Formen enthaltend.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wald der Allegorien und Metaphern um das Schach ist dicht und reich, und mancher K\u00f6nig-ohne-Land hat l\u00e4ngst den Weg hinaus gefunden. Prosa und Lyrik, Film, Malerei und Grafik lassen uns die Stimmungsskala von Gl\u00fcck bis Verzweiflung w\u00e4hrend eines Spiels verfolgen, oder die erz\u00e4hlerischen M\u00f6glichkeiten des ganzen, vom Regelwerk befreiten Theaterensembles der Spielfiguren und die mit ihnen verbundenen Meme erleben. Facetten von Spielerpers\u00f6nlichkeiten zwischen Ehrgeiz und Resignation entfalten sich, soziale und politische Hierarchien werden offengelegt und berichten von vergangenen Zeiten. Das alles ist schon da und viel beschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Kunst im eigenen Recht hat Fotografie ihre Anteile an den planetarischen Schach-Landkarten noch zu entdecken. Erst ein Schritt fort von den sch\u00fctzenden Mauern des Vertrauten, dann noch einer und noch einer \u2013 daraus k\u00f6nnte ein Weg werden, den zu suchen sich lohnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer die Klubs, die gewohnten Spielorte verl\u00e4sst, begegnet da drau\u00dfen in der Welt vielleicht unversehens einem Bauern. Steht der noch auf seinem eigenen Feld? Geh\u00f6rt es nicht l\u00e4ngst dem anderen, der den Turm, sozusagen als Strohturm, vorgeschickt hat? Unsicherheit im Blick, Trotz um den Mund zeigen, dass es da etwas zu kl\u00e4ren g\u00e4be. Aber vielleicht bewacht der aufrechte Mann nur diese eine kleine Blume, die f\u00fcr ihn Seltenheitswert haben mag. An ihr zeigt die Natur, wie sie sich einen rechten Winkel zurechtmalt: auf zweifarbiger Fl\u00e4che, damit man ihn erkennt, dann aber doch ein wenig vert\u00fcpfelt, verwischt, wenn man genau schaut. Wirklich gebraucht wird er nicht, von der Natur. Sie folgt anderen Gesetzen, denen wir in den nach ihr benannten Wissenschaften hinterherforschen. M\u00fchelos k\u00f6nnte sie erl\u00e4utern, warum die Wassertropfen genau so und nicht anders springen und tanzen \u2013 wen interessiert\u2019s? Vor dem Hintergrund des schwarzwei\u00dfen Bretts jagen sie f\u00fcr Augenblicke durch die Luft, Chemie, Licht und Zeit verleihen ihnen langes Leben auf Papier, zu unserer Freude.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer bereit ist, anders zu sehen, wird erkennen, dass die scheinbar ziellos streifenden Flaneure Spuren in die Szenerie zeichnen, wie Schiffe sie im Meer hinterlassen. Folgen kann ihnen niemand, jeder geht seiner Wege, aber dann und wann ergeben sich \u00fcberraschende Begegnungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter einem Drahtzaun dr\u00e4ngt eine Menge, vor der Absperrung tut sich leerer Raum auf. Wer sind die Ausgegrenzten? Wer befreit sie aus dem compound und wie kamen sie dorthin? Sind sie gefl\u00fcchtet, gestrandet, abgefangen? Vielleicht aber warten sie nur auf Einlass ins Einkaufsparadies, fr\u00fchzeitig, gierig, murren und scharren, in den Taschen die Scheckkarten umklammernd.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der Spaziergang sich in der D\u00e4mmerung dem Ende zuneigt, Konturen im verblassenden Licht des Tages verschwimmen, taucht unversehens eine Fata Morgana vor dem Umherstreifenden auf, eine r\u00e4tselhaft erstarrte Gang. Einzelne Figuren sind nicht klar auszumachen, und doch stehen sie da als luzide, fast schwebende Wand, der man sich lieber nur z\u00f6gerlich n\u00e4hern will.<\/p>\n\n\n\n<p>In der W\u00e4rme und dem Gemurmel des Caf\u00e9s treffen wir wieder auf die Spieler. War da nicht vorhin noch der \u2013 ach, das ist Stunden her. Oder Tage? Jahre? Die Bretter liegen da wie gewohnt. Ein Spieler setzt sich, streicht vorsichtig \u00fcber die rissigen Inlays aus Elfenbein und Obsidian, dreht eine leicht ramponierte Dame zwischen den Fingern. Altes Brett, alte Figuren. Schon immer da. Nur die Spieler wechseln. Sie stehen auf, gehen fort, verschwinden. Neue r\u00fccken die St\u00fchle zurecht. Wir haben verstanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>\u00a9 Ulrike Budde<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Emanzipationdes\u00a0Sancho\u00a0Pansa Fotografie auf eigenen Wegen F\u00fcr den Katalog zur Ausstellung Schach und Poesie, 2016der Schach- und Kulturstiftung G.H.S. Um Spiel, Ausstattung und Spieler des Schach kreist ein Kosmos, den die Fotografie bisher zuverl\u00e4ssig bebildert: Bretter und Figuren \u2013 alt, modern, artifiziell oder schlicht, Kunsthandwerk oder fast schon Kunst. 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