{"id":144,"date":"2024-10-16T22:09:47","date_gmt":"2024-10-16T20:09:47","guid":{"rendered":"https:\/\/mille1000.de\/?page_id=144"},"modified":"2024-10-17T01:55:00","modified_gmt":"2024-10-16T23:55:00","slug":"144-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mille1000.de\/index.php\/home\/cillarim\/144-2\/","title":{"rendered":"Texte Cillarim Ite Ludite"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-container-core-group-is-layout-650790e1 wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-x-large-font-size\"><strong>Ite! Ludite!<\/strong><\/h1>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" style=\"margin-top:var(--wp--preset--spacing--20);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--20)\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-small-font-size\">F\u00fcr den Katalog zur Ausstellung Schach und Poesie, 2016<br>der Schach- und Kulturstiftung G.H.S.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"line-height:2.1\"><em>Aus schwarzen N\u00e4chten und wei\u00dfen Tagen<\/em> zeichnet Jorge Luis Borges das Gef\u00e4ngnis, in dem sein Schachspieler festsitzt<sup data-fn=\"f0239380-cb93-4033-9487-e0c4836b3827\" class=\"fn\"><a href=\"#f0239380-cb93-4033-9487-e0c4836b3827\" id=\"f0239380-cb93-4033-9487-e0c4836b3827-link\">1<\/a><\/sup>, unrettbar lebenslang. Wie seine Figuren wei\u00df auch der Spieler nicht, welchen Zug die Hand der Vorsehung als n\u00e4chsten f\u00fcr ihn parat hat. Nur das Ende ist gewiss: Omar Khayyams lyrischer Urteilsspruch packt alle, Mensch wie Figur, in die h\u00f6lzerne Kiste. Borges sieht das im Kriegerischen verwurzelte Schachspiel als Schicksalsspiel der Erde, geboren aus <em>Staub und Zeit<\/em> und <em>Traum und Agonien<\/em>, in unendlicher Wiederholung, mit immer neuen Teilnehmern an den Brettern. Das Leben bestand f\u00fcr ihn aus dunklen Bildern voller Spiegelfechtereien, wuchernde r\u00e4umliche Systeme repetierten das Immergleiche bis in den Wahnsinn hinein, ein Entkommen war nicht vorgesehen. In seiner Erz\u00e4hlung <em>Die Bibliothek von Babel<\/em> inszeniert er ein alle Sprachen, alle W\u00f6rter und allen denkbaren Wortunsinn enthaltendes architektonisches Ungeheuer, das diejenigen verschlingt, die sich zu manisch auf die Suche begeben \u2013 nach einem Buch, einem Wort, nach Sinn. Ein Labyrinth aus streng logisch entworfenen und angeordneten Elementen, mit unendlich vielen M\u00f6glichkeiten und Richtungen, sich darin zu bewegen, und einem Zentrum, das erreicht wird oder auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"line-height:2.1\">Unter den Labyrinthen ist das Schachspiel das t\u00fcckischste. Die Anordnung und Aufteilung der Felder suggeriert Klarheit, den Figuren sind eindeutige Rollen und Kompetenzen zugeschrieben, die Spielfl\u00e4che breitet sich eben und mit einem der schlichtesten Farbspiele zwischen den Spielern aus. Labyrinthisch? Angesichts dieser \u00dcbersichtlichkeit, die nur noch vom Verkehrslernteppich im Kinderzimmer \u00fcbertroffen wird? Lakonischer als ein Schachbrett ist Grafik kaum denkbar.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"line-height:2.1\">Und doch. Und gerade darum. Auf dieser spartanisch dekorierten Fl\u00e4che sind die M\u00f6glichkeiten, sich zu verirren, sich zu verlieren, geradezu gigantisch. Raffinesse und T\u00fccken offenbaren sich bereits, sobald mit dem ersten Zug die Phalanx der beiden 16er &#8211; Bl\u00f6cke aufgebrochen wird. Sofort ver\u00e4ndert sich das unsichtbare Wegenetz \u00fcber dem Brett, die Kraftfelder der Figuren verschieben sich, Konfliktlinien tauchen auf, die zuvor nicht da waren. Hecken und Mauern, Durchbr\u00fcche, Fallgruben und Wassergr\u00e4ben erstehen vor dem inneren Auge. Der andere Spieler greift zu, zieht eine Figur. M\u00f6glicherweise so, wie man selbst es mit Kalk\u00fcl vorbedacht hat. Gl\u00fcck, es geht weiter auf der eigenen imaginierten Landkarte. Im anderen Fall muss sie neu entworfen werden. Und wieder. Und noch einmal. Und nie die Konzentration verlieren, das Wissen um Varianten und Finten vernachl\u00e4ssigen, den anderen zu tief in die eigene Suche blicken lassen. Keine Unsicherheit, kein Schwanken und Zaudern sind gestattet.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"line-height:2.1\">Unendlich viele Z\u00fcge, Kombinationen, Strategien und Taktiken lassen sich lernen, aneignen, \u00fcben, \u00fcben, \u00fcben, mit klarem Siegeswillen immer wieder \u00fcben. Nie wird ein Mensch da zu einem Ende kommen. Die Anzahl der m\u00f6glichen Z\u00fcge ist zwar nicht unendlich gro\u00df, f\u00fcr die menschliche Fantasie allerdings nur in einer Geschichte und einer darin illustrierten Formel zu greifen: Die Rechnung mit den vom Brahmanen verlangten Weizen- (oder Reis-)k\u00f6rnern auf dem Schachbrett des Sultans ist hinl\u00e4nglich bekannt, sie f\u00fchrt direkt in die Groteske und geht so: auf\u2019s erste Feld soll ein einzelnes Korn gelegt werden, auf das zweite zwei K\u00f6rner, auf das dritte vier, auf das vierte acht undsoweiter. Die Formel f\u00fcr dieses exponentielle Wachstum lautet 2<sup>64-1<\/sup>. Umsetzen l\u00e4\u00dft sich das nicht: die Menge der K\u00f6rner w\u00fcrde die realen Gegebenheiten jedes Tr\u00e4germaterials sprengen und die halbe Welt unter sich begraben. In der Entstehungszeit der M\u00e4r vom gierigen Sultan, der mores gelehrt werden sollte, z\u00e4hlten K\u00f6rner zu den kleinsten handhabbaren allt\u00e4glichen Objekten und waren ein g\u00e4ngiges Ma\u00df. Die vorgebliche Bescheidenheit des Brahmanen \u2013 \u201eich will nur Weizenk\u00f6rner\u201c \u2013 entpuppt sich als Spiegelbild zur Ma\u00dflosigkeit des Herrschers.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"line-height:2.1\">Die erz\u00e4hlte Imagination der Vielfalt in den Spielz\u00fcgen des Schach vermittelt uns eine Vorstellung, mit der wir das scheinbar Grenzenlose zumindest soweit begreifen k\u00f6nnen, dass wir unsere eigene, durch die F\u00e4higkeiten des Gehirns gesetzten Grenzen ersp\u00fcren. Hoch- und h\u00f6chstbegabte Menschen erkennen einen gr\u00f6\u00dferen Teil der M\u00f6glichkeiten als andere, denen Erfahrung helfen muss, ohne Garantie f\u00fcr einen Erfolg. Maschinen, oft im Rechnerverbund, filtern je nach Spielstand die Varianten (wobei ihre Algorithmen letztlich auf derselben Lakonie wie das Schachbrett beruhen: 0 und 1) und legen diejenigen mit den h\u00f6chsten Erfolgsaussichten dar.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"line-height:2.1\">Wenn der <em>Guardian<\/em> \u00fcber den jungen Rameshbabu Praggnanandhaa schreibt <em>Praggnanandhaa\u2019s last dozen or so moves were almost all the first choice of the computer<\/em><sup data-fn=\"7c504b67-f947-4c1c-b2a9-fa52f345ac1e\" class=\"fn\"><a href=\"#7c504b67-f947-4c1c-b2a9-fa52f345ac1e\" id=\"7c504b67-f947-4c1c-b2a9-fa52f345ac1e-link\">2<\/a><\/sup>, dann wird das K\u00f6nnen der Maschine zum Gradmesser f\u00fcr das K\u00f6nnen des Menschen genommen. In solchen Formulierungen zeigt sich der Kommentator nicht mehr vorrangig vom \u00fcberraschenden Spielverlauf, von der Volte, vom chaotischen Moment verbl\u00fcfft, sondern vom Ausma\u00df an \u00dcbereinstimmung der Entscheidungen des Menschen mit den von der Maschine aufgebl\u00e4tterten Vorschl\u00e4gen. Immer noch ein Spiel? F\u00fcr Sport gelten auch im Schach andere Wertungen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"line-height:2.1\">Spielen hei\u00dft, sich in einem \u00fcberschaubaren r\u00e4umlichen Rahmen und einem bekannten Regelsystem dem darin irgendwo verborgenen Unbekannten auszuliefern, in der Absicht, damit umzugehen und das Ganze mit einem Gewinn \u2013 an Lust, Geld oder materiellen Dingen \u2013 und m\u00f6glichst unbeschadet zu einem Ende zu bringen. Spielen bedeutet oft, Ordnung in ein absichtlich herbeigef\u00fchrtes oder unabsichtliches Chaos zu bringen. F\u00fcr ein gelingendes Spiel sollte eine gewisse \u00dcbereinstimmung mit pers\u00f6nlichen Fertigkeiten, Befindlichkeiten und Bed\u00fcrfnissen gegeben sein. Nur wenige wagen sich in Turnschuhen zur Eiger-Nordwand vor, Kundige halten sie in der Regel rechtzeitig auf. Das Spiel um des Spiels willen \u2013 ein wilder, phasenweise absehbarer, kalkulierter Tanz durch Licht und Schatten, mit Figuren (Puppen<sup data-fn=\"8b0dfc9a-7e93-4150-b6d2-2f3a9775c54a\" class=\"fn\"><a href=\"#8b0dfc9a-7e93-4150-b6d2-2f3a9775c54a\" id=\"8b0dfc9a-7e93-4150-b6d2-2f3a9775c54a-link\">3<\/a><\/sup>, wie Herder sie einmal nennt), die mal stark, mal schwach sind, je nach Konstellation auf dem Brett und nach Geschick der f\u00fchrenden Hand. Wie lang dauert ein Schachspiel? <em>As long as it takes, or until Duchamp is sleepy<\/em><sup data-fn=\"0e5f5b22-161f-4416-afcf-c85bff4b1fe3\" class=\"fn\"><a href=\"#0e5f5b22-161f-4416-afcf-c85bff4b1fe3\" id=\"0e5f5b22-161f-4416-afcf-c85bff4b1fe3-link\">4<\/a><\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"line-height:2.1\">Schach wird oft als das Spiel bezeichnet, das das Leben abbildet. Der Vergleich hinkt nat\u00fcrlich heftig, denn im Schach gibt es nie, im Leben gelegentlich die M\u00f6glichkeit f\u00fcr ein Backtracking: falls man vor die Wand gelaufen ist, einen Schritt zur\u00fcck, neu probieren, eventuell einen weiteren Schritt zur\u00fcck und nochmal neu, solange bis die passende Abzweigung gefunden ist. Nix da: Ber\u00fchrt ist gef\u00fchrt. Und die Zeit, die andere unschlagbare Chefin, erlaubt real sowieso h\u00f6chstens ein <em>same, same, but different<\/em>, anders formuliert: man steigt nie in denselben Fluss usw. Schach kondensiert in Figuren und Regelwerk zwar altert\u00fcmliche Kriegskunst, doch in den Jahrtausenden bis zur Erfindung moderner Waffentechnik verliefen l\u00e4ngst nicht alle Schlachten nach den immergleichen Mustern, wie Soldaten aufzustellen und wann welche Einheiten wohin zu reiten, rennen, schwenken hatten. Manchmal konnten Feldherrn erleben, dass sie auch mit ganz anderen Kr\u00e4ften zu rechnen hatten: Shakespeares Macbeth begreift in der Schlacht von Birnam, als \u2013 wie von den Hexen prophezeit \u2013 der Wald auf ihn zukommt, dass er verloren hat. Eine Verschw\u00f6rung geheimnisvoller M\u00e4chte \u2013 das mag manchem von schweren Minuten am Brett als Verdacht vertraut sein.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"line-height:2.1\">Denn immer wieder, in einem Moment, der sp\u00e4ter in der R\u00fcckschau und Analyse vielleicht als der entscheidende bezeichnet wird, regiert uneingeladen er, der eine, der ungekr\u00f6nte Herrscher des Bretts: der Zufall. Er tritt in unterschiedlichen Kost\u00fcmen auf, als Irrtum, Denkfehler, verkehrte Schlussfolgerung. Als Ersch\u00f6pfung, M\u00fcdigkeit, Hast oder \u2013 am schlimmsten \u2013 Gleichg\u00fcltigkeit. Manchmal nimmt er das Spiel gleich von Anfang an in seine Hand, als falsche Strategie, unsinnige Kombination. Der Zufall schnippt in die Synapsen und schon hat man das Gegen\u00fcber unter- oder \u00fcbersch\u00e4tzt, st\u00fcrzt in die Fallen psychologischer Kriegf\u00fchrung, kennt Vorlieben und Schw\u00e4chen des Gegners nicht genau genug oder ignoriert, was man eigentlich w\u00fcsste. Vielleicht verliert man auch einfach nur die Geduld, oder \u2013 wie Martin Sorescu seinen Gegner behaupten l\u00e4\u00dft<sup data-fn=\"66ebdd34-cafc-4838-a5d6-1b42cc51a5e1\" class=\"fn\"><a href=\"#66ebdd34-cafc-4838-a5d6-1b42cc51a5e1\" id=\"66ebdd34-cafc-4838-a5d6-1b42cc51a5e1-link\">5<\/a><\/sup> \u2013 die Lust, den klaren, eindeutigen Bezug zu diesem, genau diesem einen Spiel, dem man sich mit jeder Faser von K\u00f6rper und Geist widmen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"line-height:2.1\">Manchmal also ist es zum Verr\u00fccktwerden. <em>Maze<\/em> ist das englische Wort f\u00fcr einen Irrgarten, <em>amazing = erstaunlich, \u00fcberraschend, verbl\u00fcffend<\/em> ordnet sich ihm zu, in seiner Geschichte taucht altnorwegisch <em>masa = verwirrt<\/em> auf, und es gibt eine Verbindung zum italienischen <em>matto = verr\u00fcckt<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"line-height:2.1\">Die Zeit mit ihren Schleifen, Sackgassen und Verz\u00f6gerungen als Mutter vieler verr\u00fcckter und erstaunlicher Entwicklungen, f\u00fcr die gelegentlich Geduld aufgebracht werden muss. Wie im Fall von John Cage, der 1943 f\u00fcr eine Duchamp-und-Schach-Ausstellung ein Bild malte, mit Tinte und Gouache: Notationen, die aussahen wie beliebig auf die Felder eines Schachbretts verstreut und geh\u00e4ufelt. Das Bild verschwand, tauchte 2005 wieder auf und wurde erst da erkannt als das, was es war: eine durchdachte Komposition f\u00fcr Solo-Klavier. Es ist jetzt Bestandteil der <em>Chess Pieces<\/em><sup data-fn=\"c3c7afb6-20a9-472f-a4fa-9d150be86aaa\" class=\"fn\"><a href=\"#c3c7afb6-20a9-472f-a4fa-9d150be86aaa\" id=\"c3c7afb6-20a9-472f-a4fa-9d150be86aaa-link\">6<\/a><\/sup> und als Einspielung erh\u00e4ltlich.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"line-height:2.1\"><em>O Zeit, deine Pyramiden<\/em><sup data-fn=\"aa27b541-21eb-40c8-b2d6-7018cb17179d\" class=\"fn\"><a href=\"#aa27b541-21eb-40c8-b2d6-7018cb17179d\" id=\"aa27b541-21eb-40c8-b2d6-7018cb17179d-link\">7<\/a><\/sup>: mit diesem Ausruf bezieht sich Borges in der <em>Bibliothek von Babel<\/em> auf Shakepeares Sonett 123, dessen erste Zeile sich fortsetzt: <em>ich bin noch, wer ich war<\/em><sup data-fn=\"fdfa17f6-e8d2-488e-a92d-ef5bc125188b\" class=\"fn\"><a href=\"#fdfa17f6-e8d2-488e-a92d-ef5bc125188b\" id=\"fdfa17f6-e8d2-488e-a92d-ef5bc125188b-link\">8<\/a><\/sup>. Wer Spannung aush\u00e4lt, das Verstreichen der Zeit, des Lebens ertr\u00e4gt, nicht einknickt vor dem, was sich selbst pyramidal, d.h. als gro\u00dfartig und m\u00e4chtig pr\u00e4sentiert, k\u00f6nnte im Labyrinth bestehen. Als Proviant auf dem schwierigen Weg kann der eine oder andere Band mit Gedichten n\u00fctzlich sein. Poesie beruht wie das Konzept des Schachspiels in weiten Teilen auf der Kunst der Reduktion, daher n\u00e4hrt sie den Geist: sie fordert auf, zu erg\u00e4nzen, zu erweitern, \u00fcber das Wort, die Zeile, die Strophe hinauszudenken. Fantasie ist gefragt, die Sprache der Bilder, die bef\u00e4higt, ungew\u00f6hnlich zu kombinieren, \u00fcberraschende Entscheidungen zu treffen, weiter zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"line-height:2.1\">Im Zentrum des Labyrinths wartet \u2013 bewegungslos, leise atmend \u2013 der Minotaurus. Der K\u00f6nig selbst in seiner ganzen Gr\u00f6\u00dfe und Pracht. Wer ihn erreicht und packt, hat das Leben gewonnen. Ein Blick in seine Augen zeigt: er ist nichts. Eine Figur, ein Stellvertreter. Hinter ihm schimmert das Eigentliche: ein schwarzer Spiegel<sup data-fn=\"2faf2f17-e769-406a-8e0f-2cf41084cfe7\" class=\"fn\"><a href=\"#2faf2f17-e769-406a-8e0f-2cf41084cfe7\" id=\"2faf2f17-e769-406a-8e0f-2cf41084cfe7-link\">9<\/a><\/sup>. Wir sehen hinein, erkennen unser Gesicht, den Schrecken darin. Im selben Moment erlischt alles. Matt, ohne Revanche.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\" style=\"margin-top:var(--wp--preset--spacing--30);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--30)\"\/>\n\n\n<ol class=\"wp-block-footnotes\"><li id=\"f0239380-cb93-4033-9487-e0c4836b3827\">Jorge Luis Borges, Schachgedicht I, Schachgedicht II; in diesem Band S. 56 &#8211; 59 <a href=\"#f0239380-cb93-4033-9487-e0c4836b3827-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 1 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"7c504b67-f947-4c1c-b2a9-fa52f345ac1e\">The Guardian, 21. Oktober 2016: Leonard Barden: Rameshbabu Praggnanandhaa chases world grandmaster age record at 11 <a href=\"#7c504b67-f947-4c1c-b2a9-fa52f345ac1e-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 2 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"8b0dfc9a-7e93-4150-b6d2-2f3a9775c54a\">Johann Gottfried von Herder, Das Schachspiel. In diesem Band S. 102 <a href=\"#8b0dfc9a-7e93-4150-b6d2-2f3a9775c54a-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 3 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"0e5f5b22-161f-4416-afcf-c85bff4b1fe3\">4 Victoria Miguel, How long is a game of chess? <a href=\"http:\/\/johncage.org\/reunion\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">johncage.org<\/a> Oktober 2016 <a href=\"#0e5f5b22-161f-4416-afcf-c85bff4b1fe3-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 4 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"66ebdd34-cafc-4838-a5d6-1b42cc51a5e1\">Martin Sorescu, schach. In diesem Band S. 92 <a href=\"#66ebdd34-cafc-4838-a5d6-1b42cc51a5e1-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 5 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"c3c7afb6-20a9-472f-a4fa-9d150be86aaa\">John Cage, <a href=\"http:\/\/johncage.org\/pp\/John-Cage-Work-Detail.cfm?work_ID=254\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">johncage.org<\/a> Oktober 2016 <a href=\"#c3c7afb6-20a9-472f-a4fa-9d150be86aaa-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 6 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"aa27b541-21eb-40c8-b2d6-7018cb17179d\">J. L. Borges, Die Bibliothek von Babel. Hrg. Klaus Detjen. Steidl Verlag, Typographische Bibliothek, Band 4, S. 43. G\u00f6ttingen 2001 <a href=\"#aa27b541-21eb-40c8-b2d6-7018cb17179d-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 7 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"fdfa17f6-e8d2-488e-a92d-ef5bc125188b\">William Shakespeare, Die Sonette. Zweisprachige Ausgabe englisch-deutsch. \u00dcbertragen und mit einem Nachwort von Hanno Helbig. Manesse Bibliothek der Weltliteratur, S. 251. Z\u00fcrich 1983 <a href=\"#fdfa17f6-e8d2-488e-a92d-ef5bc125188b-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 8 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"2faf2f17-e769-406a-8e0f-2cf41084cfe7\">J. L. Borges, Der schwarze Spiegel. Erz\u00e4hlung, 1935. In zahlreichen Ausgaben erschienen <a href=\"#2faf2f17-e769-406a-8e0f-2cf41084cfe7-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 9 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ite! Ludite! F\u00fcr den Katalog zur Ausstellung Schach und Poesie, 2016der Schach- und Kulturstiftung G.H.S. Aus schwarzen N\u00e4chten und wei\u00dfen Tagen zeichnet Jorge Luis Borges das Gef\u00e4ngnis, in dem sein Schachspieler festsitzt, unrettbar lebenslang. Wie seine Figuren wei\u00df auch der Spieler nicht, welchen Zug die Hand der Vorsehung als n\u00e4chsten f\u00fcr ihn parat hat. 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